Freitag, 13. Januar 2017

Jonas Jonasson: Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind

Per Person hatte nicht viel Glück im Leben. Sein Großvater war noch ein äußerst wohlhabender Pferdehändler, dieser verpasst aber den Trend der Motorisierung in der Landwirtschaft, und so verarmt die Familie zusehends. Per landet schließlich als eine Art Zimmermädchen und Rezeptionist in einem heruntergekommenen Bordell. Als dieses in ein normales, wenn auch nach wie vor heruntergekommenes Hotel umgewandelt wird, bleibt Per einfach da und lernt so nach und nach die weiteren Protagonisten der Handlung kennen: eine atheistische evangelische Pfarrerin, die verständlicherweise arbeitslos wurde und den soeben aus langjähriger Haft entlassenen mehrfachen Mörder Johan Andersson, den alle nur „Mörder Anders“ nennen. Gemeinsam hecken der Rezeptionist und die Pfarrerin eine Geschäftsidee zur Vermarktung der besonderen Fähigkeiten von Mörder Anders. Und das Geschäft geht gut.

Eine völlig irrsinnige, zum Schreien komische Geschichte die vor bizarren Einfällen und trockenem Humor nur so überquillt.

Lesen, und zwar unbedingt und sofort!

Freitag, 6. Januar 2017

Jonas Jonasson: Die Analphabetin, die rechnen konnte

Eine vierzehnenjährige Waise arbeitet seit neun Jahren bei der Latrinenverwaltung in Johannesburg. Oder, um es anders auszudrücken: sie schleppt Scheiße. Da sie, anders als ihre Kolleginnen und Kollegen leidlich lesen, schreiben und vor allem exzellent rechnen kann, wird sie überraschend zur Leiterin dieser Behörde ernannt. So beginnt die sehr wechselhafte und abwechslungsreiche Geschichte des südafrikanischen Mädchens Nombeko. Sie wird angefahren, gerät als Putzfrau in ein geheimes wissenschaftliches Projekt zum Bau einer südafrikanischen Atombombe wo sie Bekanntschaft macht mit zwei israelischen Geheimagenten die sie schließlich bei ihrer Flucht nach Schweden unterstützen. Bei dieser Gelegenheit werden zehn Kilo Antilopenfleisch mit einerAtombombe verwechselt, die so in Nombekos Besitz gerät und die sie nicht wieder loswird. Und das ist erst der Anfang dieser völlig bizarren, anrührenden, intelligenten und haarsträubend lustigen Geschichte.

Lesen, und zwar unbedingt und sofort.

Samstag, 24. Dezember 2016

Marc Elsberg: Zero

Journalistin Cynthia Bonsants Tochter benutzt eine Online-Ratgeber, der ihrem Leben eine neue Wendung gibt. Dieser sammelt alle Daten des Teenagers, derer er habhaft werden kann: Aufenthaltsorte, Herzschlag, Gewohnheiten und Bewegungsprofil. Auch ihre Äußerungen auf sozialen Netzwerken werden von dem cleveren System gesammelt und ausgewertet. Es macht darauf aufbauend Vorschläge für ein gesunderes und erfolgreicheres Leben. Der Teenager verbessert sich in der Schule, ändert seine Kleidervorlieben und sucht sich neue Freunde. Cynthia registriert sich ebenfalls, da aus beruflichen Gründen über diesen Ratgeber recherchieren soll. Nach und nach versteht sie, wie das System funktioniert und ist immer wieder überrascht, über welche Datenvielfalt es verfügt. Irgendwann macht sie eine schreckliche Entdeckung und gerät sehr bald in große Gefahr.

Nach „Blackout“ ist dies der zweite Elsberg-Roman, der mir in die Finger kommt. Er ist brillant recherchiert, ganz hart an der schon existierenden Realität und gerade deshalb so erschreckend. Versuchen Sie einmal, herauszubekommen, was Google, Apple oder Microsoft bereits jetzt über Sie wissen. Sie werden erstaunt sein, wie wenig sich Elsberg mit seinem Zukunftsszenario von der aktuellen Situation entfernen musste um für seine spannende Geschichte eine Welt zu konstruieren, die dem Überwachungsstaat in Orwells 1984 in nichts nachsteht.

Ein spannendes und gleichzeitig sehr wichtiges Buch. Lesen, und zwar unbedingt und sofort!